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Brüder sind sie, und das verbindet natürlich. Léopold und Till besuchten
beide die École d´Art Chaux-de-Fonds in der französischen Schweiz und
nun arbeiten die beiden Künstler seit vielen Jahren Seite an Seite in
ihrem gemeinsamen Atelier. Ihre Zusammenarbeit basiert auf konstruktiver
Kritik und gegenseitigen Ratschlägen. Die Arbeiten der beiden Brüder
hängen bei aller Unterschiedlichkeit in gewisser Weise zusammen und so
haben sie in den letzten Jahren auch gemeinsam ausgestellt, so wie in
der Collection de Saint-Cyprien in Frankreich. Die interfamiliäre
Zusammenarbeit umfasst inzwischen auch die Eltern der beiden Künstler,
denn Ausstellungen mit der gesamten Familie werden 2009 unter anderem im
Kunstverein Schwaz (Österreich) erwartet.
Motive einer schwarzen Romantik durchziehen das gesamte Werk des
Künstlers Léopold Rabus. Seine Gemälde irritieren in vielerlei Hinsicht,
denn der virtuos präzisen Malweise werden faszinierende Sujets
gegenübergestellt, die wie aus einer anderen Welt zu kommen scheinen und
in multiple Perspektiven aufgesplittet sind. Wie in phantastischen
Träumen erscheinen groteske Charaktere als wären sie in irrationalen
Positionen eingefroren. Aber gerade diese übersteigert morbiden
Deformationen ermöglichen Léopold Rabus eine fast impressionistische
Annäherung an die Realität. Schließlich liegt der Ursprung der
Darstellungen meist in seiner direkten Vergangenheit, wobei die teils
romantisch melancholischen Erinnerungsfetzen an diese Geschehnisse
verzerrt sind und langsam mit zeitlichem Abstand verblassen. Was Léopold
Rabus vordergründig inspiriert, ist der Alltag mit seinen banalen
Momenten und gewöhnlichen Orten. Allerdings wird die ländliche Idylle
gestört, da Léopold Rabus den Traum als Mittel der Darstellung dieser
ungewollten Erinnerungen einsetzt. Der Künstler zielt nicht auf das
schockierende Moment ab, und dennoch wirken seine Charaktere aus der
Tier- und Menschenwelt teils düster und morbide. Die exzessive
Zusammenstellung aus Deformationen und Grimassen verleiht den Arbeiten
oft sogar einen gewissen Humor. Paradoxerweise geht von diesen Kreaturen
außerdem eine dekadent ästhetische Form der Attraktion aus, der
Betrachter ertappt sich dabei als Voyeur, der wie zwanghaft das teils
schaurige Geschehen oder die dämonisch anmutenden Tierporträts mit
ansieht. Zur Ablenkung trägt neben den antiken Rahmen der Tierporträts
auch die Bildtradition der Landschafts- und Genremalerei bei, der
Léopold Rabus bis zu einem gewissen Grad Folge leistet und entsprechende
Elemente in seine Bilder integriert.
Was sein Bruder Léopold mit Anlehnungen an die Landschafts- und
Genremalerei erzielt, das erreicht Till Rabus mit Verweisen auf die
Tradition der Vanitas in der Stilllebenmalerei. Seine Arrangements von
Essensresten und Verpackungsmaterialien wirken grotesk erschreckend und
dennoch vermag man aufgrund ihrer technischen Brillanz nicht den Blick
von ihnen wenden. Die als Serien angelegten Werke verweisen aus
formeller Sicht auf den Hyperrealismus und den amerikanischen
Fotorealismus der 60er Jahre. Die Anlehnung an die Pop Art ist durch die
Darstellung von Objekten des alltäglichen Lebens ebenfalls gegeben. Till
Rabus knüpft an die Bildtradition und die Ikonographie der alten Meister
an und bedient sich dabei einer Form des radikalen Realismus. Stets
liegt dennoch eine Art halbgelüfteter Schleier über seinen Werken, der
uns so nur den Hauch eines Blickes auf die kalte Brutalität der heutigen
Zeit erhaschen lässt.
Eine schwarze Romantik ist daher beiden Œuvres sicherlich gemeinsam, sie
behandeln Verluste, Vergangenes und Vergängliches und blicken
verschleiert auf das was wir Realität nennen.
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