Mary Mattingly - Text

Mary Mattingly
 
Frontier
Fotografie, Video
 


Courtesy Robert Mann Gallery, New York

 

26. Oktober 2007 – 5. Januar 2008
Vernissage Donnerstag, 25. Oktober 2007, ab 19 Uhr
Galerie Adler Frankfurt am Main


 

“Ich denke über Technologie nach”, sagt Mary Mattingly, “die ständige Vermittlung zwischen zwei Menschen… mit der sich exponentiell ausdehnenden Technologie werden wir zu einem Punkt kommen, an dem wir zu Wanderern in unserer eigenen Welt werden, Teile einer simulierten Gesellschaft“. Diese Einstellung ist der Ausgangspunkt für die Foto-, Video- und Objektarbeiten Mary Mattinglys, doch sie bleibt nicht stehen bei dieser möglicherweise sehr nahen Zukunft. In ihren Arbeiten geht sie einen Weg, der sie in die Zeit nach Industrie und Technologie führt, eine Zeit nach der Apokalypse, nach der Zivilisation, nach fast allem.

Die Figuren, die in dieser Zukunft verstreut sind, besitzen nichts mehr außer dem, was sie am eigenen Leib tragen können durch die verlassenen Landschaften, die hin und wieder den Blick freigeben auf einen aufgegebenen Ölförderturm, einen halb verschütteten rostigen Papierkorb am Strand, einen unwahrscheinlichen Supermarkt auf einem Fleck, der jetzt, nach der großen Flut, eine weit entfernte Insel ist – Zeugen eines technologischen Zeitalters, das, von sich selbst überrannt, schon lange zurück liegt.

Mary Mattingly schaut auf eine ferne Zukunft, die jedoch aufreibend glaubhaft das Ende menschlicher Sorglosigkeit illustriert. Nach dem Fall der Zivilisation zieht eine Generation von Nomaden durch die Landschaften eines ertrinkenden Eden. Diese „Navigatoren“, wie sie sie nennt, beschäftigen sich damit, adaptierende Technologie herzustellen und zu benutzen. Kreativität ist der einzig mögliche Überlebensmechanismus, während der Zwang zur Autonomie diese neue Art Mensch von seinesgleichen trennt, ihn isoliert in düster-fantastischen Landschaften zurücklässt, mit nicht als seinem eigenen Überleben beschäftigt.

Die Nomaden tragen ihre Häuser auf dem Rücken: “Wearable Homes”, ausgebeulte, hängende Roben voller Taschen, die als mobile Lager für Sicherheitsvorrichtungen, Vitaminpräparate und jede Art von Apparatur dienen. Das Aussehen dieser Kleidungsstücke basiert auf Mattinglys Untersuchungen in der Anthropologie von Mode und Architektur. In ihrer Welt wird die neue Vergänglichkeit nicht zu einem Dystopia führen, sondern die Menschen mit dem „Neuen Weg“ oder der Kirche des Konsumenten, zusammenbringen – einer Religion, der online beigetreten werden kann, um vor der Isolation als Navigator zu fliehen und, wie es in einem der Gebete heißt, „die Lücke in der leeren Kultur zu schließen“.

Mattingly stellt sich ein Zusammenwachsen der zukünftigen Populationen durch “Das Netz” vor, in dem autonome Barken oder Inseln gebaut werden, auf denen die Navigatoren ihre Zeit verbringen. Die neue Zeit wird in einem anderen System gemessen, in dem ein Tag in vier Sektoren unterteilt wird statt in die übliche Aufteilung von Tag und Nacht.

Die Bilder – digital erstellte zusammengesetzte Fotografien – sind erfüllt von farbenprächtigen Sonnenuntergängen, von Wasser in allen nur vorstellbaren Schattierungen von Blau und spektakulären Wolkenszenerien, die ihre Künstlichkeit kaum zu verbergen suchen. Bei der Zusammensetzung ihrer Bilder entstehen Skulpturen aus zerlebten Stofffetzen, aus Draht, Holz und Metal, aus denen die zusammengeflickten Kommunikationsapparte entstehen in dieser Welt, die sich ergeben hat in ein Dunkles Zeitalter nach dem High Tech.
© 2009 All rights reserved: Galerie Adler Frankfurt - New York
Hanauer Landstraße 134, 60314 Frankfurt, Germany, +49 (0)69-43053962
mail@galerieadler.com, www.galerieadler.com