Benedikt Gahl / Veit Kowald
 


Rigor Mortis


Rigor Mortis, Todesstarre – so lautet die ironische Selbstdiagnose von Gahl & Kowald und beschreibt jenen Zustand, in dem sich eine junge Künstlergeneration ihrer eigenen Wahrnehmung zufolge befinden mag. In dem von amorphen Lebewesen bevölkerten düster-amüsanten Animationsvideo exerziert der Protagonist im Parforceritt die Meilen-steine der Nachkriegskunst am eigenen Knetleib durch: Zu Skulpturen von Moore, Judd, LeWitt und anderen muss sich das ansonsten eher organisch und undifferenziert geformte Wesen disziplinieren, während es im Fernsehen den Leidensweg eines Artgenossen betrachtet. Jener schleift sein Kreuz nach Golgatha, um dort, sobald er sich aus eigener Kraft an selbiges geschwungen hat, als Kippenbergers skulptural gestellte Frage nach dem ›Unterschied zwischen Casanova und Jesus‹ zu erstarren. Durch die Wiederholung von Kippenbergers ikonoklastischer Geste verwandelt sich diese vom Endpunkt zum Vorbild, transferiert von der Todesstarre zum Nährboden. Des Künstlers chamäleonhafte Fähigkeit zu stilistischem Wandel scheint den Knetwesen zum Lebensprinzip geworden zu sein. Rigor Mortis präsentiert ein humorvolles Abarbeiten am kunsthistorischen Kanon, an den es die Frage nach der ›Henne und dem Ei‹ zu stellen scheint. (DB)

 

 
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