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Rigor Mortis
Rigor Mortis, Todesstarre – so lautet die ironische Selbstdiagnose von
Gahl & Kowald und beschreibt jenen Zustand, in dem sich eine junge
Künstlergeneration ihrer eigenen Wahrnehmung zufolge befinden mag. In dem
von amorphen Lebewesen bevölkerten düster-amüsanten Animationsvideo
exerziert der Protagonist im Parforceritt die Meilen-steine der
Nachkriegskunst am eigenen Knetleib durch: Zu Skulpturen von Moore, Judd,
LeWitt und anderen muss sich das ansonsten eher organisch und
undifferenziert geformte Wesen disziplinieren, während es im Fernsehen den
Leidensweg eines Artgenossen betrachtet. Jener schleift sein Kreuz nach
Golgatha, um dort, sobald er sich aus eigener Kraft an selbiges
geschwungen hat, als Kippenbergers skulptural gestellte Frage nach dem
›Unterschied zwischen Casanova und Jesus‹ zu erstarren. Durch die
Wiederholung von Kippenbergers ikonoklastischer Geste verwandelt sich
diese vom Endpunkt zum Vorbild, transferiert von der Todesstarre zum
Nährboden. Des Künstlers chamäleonhafte Fähigkeit zu stilistischem Wandel
scheint den Knetwesen zum Lebensprinzip geworden zu sein. Rigor Mortis
präsentiert ein humorvolles Abarbeiten am kunsthistorischen Kanon, an den
es die Frage nach der ›Henne und dem Ei‹ zu stellen scheint. (DB)
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