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Self Organizing Still-Life (SOS)
Akustisch stimulierte, interaktive Skulpturen
Das Kürzel SOS steht für Kommunikation innerhalb eines zusammenhängenden
sozialen Systems. Fried hat für seine aktuelle Reihe akustisch stimulierter,
interaktiver Skulpturen diesen Arbeitstitel SOS - Selbst Organisierende
Stillleben - gewählt. Erstmals präsentiert auf dem Art Forum Berlin 1998,
sind seine SOS-Skulpturen inzwischen in zahlreichen Solo- und
Gruppenausstellungen gezeigt worden, darunter in einer
Museums-Wanderausstellung zusammen mit Arbeiten von Rebecca Horn, Robert
Rauschenberg, Leo Erb und Günter Uecker und anderen.
Den SOS-Skulpturen, bei allen Unterschieden in Größe und Material, sind
Kugeln gemeinsam, die auf der ebenen Fläche eines Steinobjekts durch
Geräusche aus der Umgebung in Bewegung gesetzt werden. Töne werden ohne
Verzögerung in Wellen umgewandelt, die lautlos jede einzelne Kugel zur
Bewegung anregen. Die resultierenden Aktionen der einzelnen Kugeln und die
Interaktionen untereinander sind nicht prädeterminiert. Sie ordnen sich in
fortwährend neuen Mustern einer eleganten, flüssigen Choreographie neu.
Einige berühren sich zart, andere drehen sich weg, während wieder andere
frontal aufeinander zurasen, um dann sanft umeinander zu kreiseln oder sich
doch auszuweichen. Oft verändern sie, ohne physisch Kontakt zu haben,
gegenseitig den Weg und damit das weitere Schicksal. Jede Kugel ist fähig,
die andere zu spüren.
Fried ist in der Lage, jeder einzelnen der handgefertigten Kugeln
individuelle Eigenschaften zu verleihen, ihnen damit die Möglichkeit zu
geben, anders auf aktuelle Geräusche zu reagieren und sich unterschiedlich
zu verhalten; dabei kann der Künstler durchaus jedem SOS eine bestimmte
Tendenz choreographischen Verhaltens mitgeben. Als würden zwei Personen
unterschiedlich zur selben Musik tanzen, interagieren die Kugeln einzigartig
und lebendig, beeinflusst von ihrer Umgebung. Wenn die akustischen Signale
ausbleiben, kommen die Kugeln in immer neuen Konstellationen zum Stillstand:
Stillleben entstehen.
'Kunst in Bewegung', Ausstellung Museum Würzburg |
Während wir mit Geräuschen die Bewegungen der Kugeln beeinflussen und
zugleich nachvollziehen, wird unsere Aufmerksamkeit zunehmend auf die
nicht-linearen dynamischen Beziehungen gelenkt, die sich zwischen ihnen
ausbilden. Der Fokus verschiebt sich damit vom Blick auf die Einzelobjekte
hin zu einer in hohem Grade subjektiven Sicht eines höheren Gesamtgefüges.
Eine vielschichtige, lebendige Erfahrung schaffend, bestechen Frieds
interaktive Skulpturen durch ihre symbolisch provozierende Einfachheit. Der
Betrachter wird angeregt, eine neue Sicht auf Beziehungen, auf das Leben und
das Universum der Gedanken zu gewinnen.
In bed with Lucy and Dolly
Fotogramme
In seinen Arbeiten „Im Bett mit Lucy und Dolly“ zeigt Fried das flüchtige
Gleichgewicht zwischen Wasser und Luft in Form einzigartiger Luftblasen,
entstehend als Resultat aus dynamischen Systemen, die nicht den linearen und
hierarchischen Mustern organisierten Verhaltens folgen. Er kartografiert so
die fundamentale Ökonomie der Netzwerke in der Natur. In unterschiedlichen
Farbtönen bildet Fried ausschließlich jene nicht-biologischen Membranen ab,
die eine starke Ähnlichkeit zu den Ur-Lebenszellen oder den Schöpfungen
im biotechnischen Reagenzglas besitzen und uns daran erinnern, wie stark und
doch wie vergänglich die Architektur des Lebens ist.
Fried kreiert, ausgestattet mit einer Infrarotbrille, in einem vollkommen
abgedunkelten Raum große Blasen und erzeugt im entscheidenden Moment ihr
Fotogramm auf kornlosen Farbfilmbögen. Er nutzt die Schatten der - hier sogar
transparenten - Objekte, um ein Bild auf den Film zu bannen. Er verwendet
also ausschließlich Licht und lichtempfindliches Material,
keine Kamera, kein Objektiv. Was wir auf seinen vergrößerten C-Prints sehen,
sind die Schatten und die Spektralabweichungen der transparenten Formen. Der
Titel bezieht sich auf Lucy (die frühe Menschenmutter), auf uns (den Mythos)
und auf Dolly, das Schaf (das Missing Link). Sie stehen in einem Dialog, der
die Orientierung in einer Welt sucht, in der sich die Menschheit von der
Kontrolle ihrer Umwelt bereits wegbewegt, hin zu dem unvermeidlichen Drang,
unsere eigenen Vorfahren neu zu erschaffen. Fried nimmt uns mit auf eine
biomorphische Reise vom Cambrischen Meer zur künstlichen Gebärmutter.

Rainscapes
Fotografie
Auf den ersten Blick erscheinen die Reihen zahlloser bunter Wassertropfen in
Frieds “Rainscapes” (Regenlandschaften) wie stürzende Galaxien -
Ansammlungen tropfenden Lichtes vor den nächtlichen Himmel gemalt. Erst bei
näherer Betrachtung sieht man, dass es sich tatsächlich um Fotografien
reinen, fallenden Regens handelt.
Fried bannt die höchst individuellen Muster des Niederschlags auf
großformatigen Film. Durch den prismatischen Effekt, wenn Licht den
einzelnen Regentropfen passiert, entstehen reiche chromatische Variationen
und erzeugen einen räumlichen, kosmischen Eindruck. Frieds “Rainscapes”
strömen für den Betrachter eine stille, poetische Anmut aus.
Mit dem Blick darauf, was zum Aufstieg von Zivilisationen oder zu ihrem
schlussendlichen Niedergang führen mag, sieht Fried Trinkwasser als das
Problem des 21. Jahrhunderts. Seit alters her haben Menschen den Wunsch
gehegt, das Wetter beeinflussen zu können, durch Gebete und Rituale bis hin
zur heutigen Wissenschaft mit ihren Methoden. Und obgleich dieses gemeinsame
menschliche Streben zweifellos einen tief greifenden Einfluss auf das
Ökosystem hatte, sind wir glücklicherweise immer noch unfähig, komplexe
Systeme wie das Wetter zu steuern. Wasser fällt immer noch frei durch die
Bäume dieser Erde und durch die Hände des Landmannes, bevor es seinen Zyklus
vollendet. Dennoch liegt die Herrschaft über den Zugang und die Nutzung von
frischem Wasser zunehmend bei der privaten Wirtschaft, die der Industrie
mehr dient als den lokalen Bedürfnissen und den Ökosystemen flussabwärts.
Frieds “Rainscapes” zeigen frisches Wasser bei seinem Entstehen und laden
uns ein, über seinen Wert nachzudenken und so für kurze Zeit zu seinem Hüter
zu werden.

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