David Fried
- Vernissage "Missing Link"
Frankfurt, 5. Juni 2003
David Fried und Galeristin Ulrike Adler
Ausschnitte aus der Rede:
David Fried beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den grundsätzlichen
Aspekten des Daseins. Das zentrale Thema ist die Suche nach Orientierung
in unserer Welt. Der Mensch ist nicht nur an der Kontrolle der Umwelt
interessiert ist, sondern verspürt vielmehr den Drang, durch neue
Technologien seine Umwelt und sich selbst "zu erfinden". Für Fried wurde
Dolly, das Schaf, zum "Missing Link", die Suche des Menschen nach
Vollkommenheit symbolisierend.
An den Wänden sind die großformatigen fotografischen Arbeiten der
Serie "In bed with Lucy & Dolly" zu sehen. Kindheitserinnerungen
sind wieder da. Schaut man auf die blasenförmigen Gebilde, denkt man
unwillkürlich an organische Zellen, die sich teilen. Er hat ohne Kamera
gearbeitet, ohne Linse. Hat vernetztes Wasser und Luft miteinander
reagieren lassen, die wirklich primären Elemente allen Lebens. Die
Arbeiten enthüllen die Natur als delikate, temporare, ganz fragile
Architektur. Die Fotogramme sprechen von jener erwähnten "Kontrolle
über das Leben", und von der Problematik des Klonens.
Dazu gehört das gleichnamige Video "In bed with Lucy and Dolly".
Es zeigt eine Barbiepuppe (Eva, der Mythos), einen Plastikaffen (Lucy,
die Mutter) und ein Plastikschaf (Dolly, "the missing link").
Es ist ein schräg-bizarres, stimmenverzerrtes Gespräch, das sich um
eine Welt dreht, in der die Menschheit das Bedürfnis hat, sich von
der Natur abzuheben, die Vormachtstellung einzunehmen.
Die akustisch stimulierten interaktiven Skulpturen tragen den Namen
"Selforganizing Still-Life" oder SOS. Was passiert?
Sobald ein Geräusch, ein Klatschen, Reden, Räuspern oder ähnliches
ertönt, setzen die Kugeln sich in Bewegung. Fried ist dabei in der
Lage, jeder der Kugeln einen individuellen Charakter zu geben, der
sie sehr unterschiedlich auf Klang reagieren lässt. Jede Kugel wird
durch die Umgebung beeinflusst - und jede Kugel ist in der Lage,
ja , die andere zu fühlen. Sie drehen sich ab und zu um sich selbst,
manchmal berühren sie sich wie zu einem Kuss, sie weichen einander
aus oder rasen frontal aufeinander zu. Sie agieren und reagieren
aufeinander. Die Aktionen der einzelnen Kugeln und ihre Interaktionen
sind nicht vorhersehbar. Sie ordnen sich in ständig neuen Mustern.
Wird kein akustisches Signal mehr wahrgenommen, kommen die Kugeln
in immer wieder neuen Konstellationen zum Stillstand (Still-Life).
|
|
|
Während die "Lucy&Dolly"-Fotoarbeiten eher die biologische Fragen
ansprechen, geht es bei den SOS-Objekten hingegen um menschliche
Interaktion, Kommunikation sowie Beziehungen untereinander. Der
Betrachter soll dazu gebracht werden, seinen eigenen Blick auf
Beziehungen zu werfen. Jeder kann für sich etwas entdecken.
Zu bemerken ist, dass David Fried zuerst das Konzept entwickelt
hatte und sich dann überlegte, wie er es umsetzen kann. Er erforscht
unsere vielfältige, aber auch labile Umwelt, bestehend aus Individuen
- für sich allein souveräne Wesen, jedoch verbunden durch ein Netzwerk,
das sich beständig verändert. Seine Arbeiten sollten vom Leben in
wechselseitiger Abhängigkeit erzählen. Er perfektionierte die Technik
hinter den SOS-Skulpturen über Jahre, meldete sogar ein Patent an.
Er schafft es, jeder Gesamtinstallation eine ganz eigene, typische
Choreographie zu geben. Die Arbeiten bestechen durch ihre symbolische,
provokative Einfachheit. Eine ruhige, unspektakuläre Aktion, der
auf ganz eigene Art so etwas wie Schönheit innewohnt.
|
|
Ganz neu sind die Fotoarbeiten mit dem Titel "Distribution of Fate
(Schicksal)", es sind Aufnahmen von Regen, sogenannte Rainscapes.
Die Bilder beziehen sich direkt auf die Konfrontation des Lebens mit
seinen Ressourcen. Regen kommt und geht, Wasser kann der Zivilisation
Wachstum spenden kann oder nehmen. Die natürliche Verteilung des Wassers
ist etwas, was wir beeinflussen können, aber immer noch nicht
kontrollieren. Es geht umd die biologische Aspekte der
Selbstorganisation und den Kampf um Stabilität und Überlegenheit in der
Natur.
|