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Frankfurt, März 2004 – Kennen sie diesen Ort? Waren Sie schon
einmal dort?
Christine Erhards Fotografien scheinen auf den ersten Blick vertraut.
Eingangshallen, Dachterrassen, Fassadenarchitektur: Christine Erhards
Arbeiten, die vom 30. April bis 12. Juli 2004 in der Frankfurter Galerie
Adler zu sehen sind, zeigen Interieurs wie Exterieurs. Es sind
unspektakuläre Motive, die uns mit einem nüchternen, sachlichen Blick
vorgeführt werden.
Die Wirklichkeit suggerierend, sind Erhards Bilder doch reproduzierte
Realitäten. Das Bild, das wir sehen wurde tatsächlich konstruiert: Es sind
Fotooberflächen und andere Materialien, aus denen Erhard ihre Modelle
baut, um sie dann abzulichten. Bereinigt von allem Nebensächlichem,
scheinen diese Orte entleert zu sein – ohne Zeit und ohne Geschichte. Es
sind rekonstruierte Orte von einer spezifischen Atmosphäre, von realem
Anschein, doch gänzlich artifizielle Konstrukte. Obwohl der Betrachter
erkennt, was er auf den Bildern sieht, beschleicht ihn bald das Gefühl,
dass hier etwas nicht stimmt.
Die 1969 geborene Künstlerin, die im vergangenen Jahr den Förderpreis für
Fotografie des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt, erschafft eine eigene
Bildwirklichkeit, in der sie, durch subtiles Eingreifen, den Blick des
Wahrnehmenden formt und lenkt. Erhards Bilder werden so zu ambivalenten
Modellen des Wirklichen.
Die fotografischen Konstruktionen finden in den jüngst entstandenen
Stereobildern eine neue Ausprägung. Diese Fotopaare lassen eine
stereoskopische (dreidimensionale) Betrachtung der aufgenommenen Modelle
zu und führen uns um so deutlicher vor Augen, dass Bilder der Wirklichkeit
letztendlich in unserem Gehirn entstehen.
Mit Christine Erhard setzt Ulrike Adler das
Programm ihrer Galerie konsequent fort. Das Spiel mit der Wahrnehmung
eines Betrachters durch das subtile Eingreifen in die Realität fand
sich sowohl bei den Arbeiten Iska Jehls als auch in den Objekten Julia
Kröpelins. Die Künstlerinnen befassen sich auf unterschiedliche Weise
mit den Erscheinungsformen unserer Wirklichkeit. Mit Christine Erhard
ergänzt Ulrike Adler ihr junges Programm um eine weitere spannende
Position, die sich durch eine präzise und konzentrierte Werkaussage
auszeichnet.

Die Gartenterrasse,
2004 |

Die Garagenzufahrt, 2003
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