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Collectif Fact
Claude Piguet, Annelore Schneider und Swann Thommen, die seit 2001 gemeinsam
unter dem Namen collectif-fact auftreten, befassen sich mit
computergenerierter Kunst. Mittels digitaler Bildbearbeitung und
3D-Animation entwickeln sie auf der Grundlage von dokumentarischem Film- und
Fotomaterial virtuelle Kamerafahrten durch die urbane Lebenswelt. Primär-
und Sekundärarchitekturen, Straßenzüge, Häuserzeilen, Wohn- und
Geschäftsräume, Signalisationen, Autos, Fußgänger und Mobiliar lösen sich
aus ihrer standortspezifischen Verankerung, um in der Folge eines neuen
Bewegungsgedankens schwerelos und ungebremst durch die unterschiedlichsten
Raumschichten zu driften. Aus additiven Eindrücken entsteht ein
weitwinkliger Wahrnehmungsstrom, der eine nur bruchstückhafte
Entschlüsselung der szenischen Umgebung zulässt. Als Betrachter navigieren
wir mit dem Auge der fliegenden Kamera durch fragmentierte
Stadtlandschaften, die ihre Bezugspunkte in einem räumlichen
Koordinatensystem verloren haben und die Gewissheit unserer Seherwartungen
verunsichern.
Formal-ästhetisch arbeitet die Computeranimation des Genfer
Künstlerkollektivs an einer Reorganisation und Neuinterpretation des
Bild-Raum-Verständnisses. In der Kontinuität des Films werden flache
Ansichtsebenen in tiefenräumliche Konstruktionen überführt. Hinter dem
fließenden Wandlungsprozess aus zwei- und dreidimensionalem Illusionismus
verbirgt sich die kritische Frage nach der erzählerischen Logik unserer
allgegenwärtigen Medienbilder und ihrer Splitterästhetik.
Claude Piguet, Annelore Schneider und Swann Thommen analysieren in ihrer
Kunst die Wahrnehmungsphänomene des Informationszeitalters und die
Ordnungsgefüge des urbanen Siedlungsraumes. In ihrem Video HabitA
dokumentieren sie aus der Vogelperspektive das Familienidyll in der
Alltäglichkeit eines anonymen Wohnquartiers: Vor einem Haus wäscht ein Mann
sein Auto, im Garten wird Rasen gemäht, eine Frau schenkt Kaffee aus, und
daneben schaukelt ein Kind. Die Kamera schwenkt um, doch anstelle eines
neuen Bildes zeigt sie wieder und wieder in kreisender Fahrt den selben
Schauplatz. Das Einzige, was sich in der Stereotypie der identischen
Wohneinheiten wandelt, ist die Präsenz der Personen, die in mechanischem
Rhythmus ihre unspektakulären Tätigkeiten verrichten. Als gelb-orange
Schattenwesen ohne individuelle Körperlichkeit werden sie zu verzichtbaren
Staffagefiguren in der Monotonie eines gesichtslosen Ortes.
HabitA führt uns eine virtualisierte Wirklichkeit vor Augen, die jeglicher
topographischen Bestimmung entbehrt. Zwischen Distanzierung und Annäherung,
Identifikation und Ablehnung tauchen wir ein in die Leere eines
kybernetischen Stadtraumes, dessen Anwohner uns als schematisierte Elemente
einer Möblierung begegnen.
Dr. Stefanie Dathe
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